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Mündliche Doktorprüfung, Dipl.-Inf. (FH) Ronny Kramer, 17.12.2009, 14 Uhr s.t., Seminarraum 106

Entwurf und Evaluation einer kontext- und interessengesteuerten mobilen Anwendung für den Tourismus


Abstract

Diese Dissertation, welche im Rahmen des Forschungsprojektes VESUV entstanden ist, stellt eine für mobile Geräte entwickelte Anwendung als Alternative zu geführten Städtetouren vor.
In Form von individuell zugeschnittenen Touren werden die Interessen der Touristen bei der Auswahl der konkreten Sehenswürdigkeiten berücksichtigt. Mit Hilfe von Kontextinformationen werden begleitende Informationen zur Orientierung und zu den Sehenswürdigkeiten dargeboten. In wissenschaftlicher Hinsicht ergaben sich zwei wesentliche Herausforderungen: Die Notwendigkeit und Möglichkeit der Erfassung von Interessen im mobilen Kontext sowie die Analyse und Auswertung der messbaren Einflüsse einer solchen mobilen Anwendung auf das tatsächliche Verhalten von Touristen.
Zur Lösung ersterer Fragestellung wurden drei verschiedene Konzepte zur Erfassung von Interessen mittels einer mobilen Anwendung entwickelt. Diese Konzepte wurden in einem Feldversuch in Görlitz im Sommer 2005 mit 235 Touristen evaluiert und verglichen. Insgesamt stellte sich heraus, dass die erfassten Interessen von Tourist zu Tourist sehr verschieden waren. Daher konnte eine Notwendigkeit von interessenabhängigen Touren bestätigt werden. Hauptziel der Untersuchung war es anschließend herauszufinden inwiefern ein Semantic Matching Algorithmus in der Lage war konkrete Sehenswürdigkeiten aufgrund der zuvor ermittelten allgemeinen Interessen von Touristen zu bewerten, sodass die persönliche Rangfolge der Touristen selbst widerspiegelt wird. Hierzu wurde der Spearman Korrelationskoeffizient berechnet welcher klar herausstellt, dass zwischen beiden Ranglisten ein eindeutiger Zusammenhang besteht, und das Problem der Interessenerfassung für diesen Fall als gelöst angesehen werden kann.
Unter Einbeziehung dieser Ergebnisse wurden zwei verschiedene Versionen des dynamischen Stadtführers komplett entwickelt und instrumentiert, um in einem erneuten Feldversuch im Sommer 2006 das Verhalten der Touristen damit zu studieren. Während der Planer Modus auf einem Tourplan basiert und Informationen automatisch liefert (push), bietet der Explorer den Touristen die Möglichkeit sich frei zu bewegen und Informationen aktiv abzurufen (pull). Als Vergleichsgruppe dienten Touristen die nur mit einem GPS Logger, zur Aufzeichnung ihrer zurückgelegten Strecke, ausgestattet waren. Die Ergebnisse offenbaren deutlich, dass Touristen mit einem mobilen Informationssystem fast vier Mal mehr Attraktionen erfahren und sich dort doppelt so lange aufhalten wie jene Touristen die mit herkömmlichen Mitteln, wie gedruckten Stadtplänen und Reiseführern ein Ausflugsziel erkunden. Diese Erkenntnisse, sowie die Anwendung selbst können von großer Wichtigkeit für Tourismusmanager sein, und helfen touristische Anziehungspunkte in Zukunft noch vielfältiger und attraktiver für Touristen zu machen und deshalb ihre Aufenthalte zu verlängern.
Auf der anderen Seite wurde deutlich erkennbar, dass die durch den Einsatz mobiler Technologien als innovativ angesehenen Konzepte zur Erweiterung herkömmlicher Touren von den meisten Touristen nicht erfasst werden konnten. Hauptgrund dafür war, dass das allgemein bekannte Schema einer geführten Tour mit dem mobilen Gerät nachgestellt wurde und zusätzliche Möglichkeiten nur wenig genutzt wurden.









Nachrichtenalter: 30.11.2009 14:01
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